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7 Tipps für Lehrer und Eltern

Erfolgreicher Unterricht von Kindern mit ADS
  • Was führt zu negativem Verhalten?
  • Wie kann ich die Kinder effektiv unterstützen?

Kennst Du das? Dein Dohn Jonas bittet Dich, Dir eine komplizierte Aufgabe zu erklären. Du weisst aber nicht genau, wie er das in der Schule gelernt hat und bist deshalb unsicher, wie du herangehen sollst. Dann klingelt auch noch das Telefon.
Als Dein Sohn Deine Erklärung dann verbessert „Das haben wir aber anders gelernt!“ beginnst du zu schimpfen und am Ende rennt er heulend aus dem Raum. Was ist da passiert? Du fühltest Dich unsicher, wie du an die Aufgabe herangehen solltest, wurdest auch noch gestört und als Du Dich kritisiert fühltest, hast Du einfach um Dich geschlagen.

Ist das denn so anders als das, womit Kinder mit ADS oder Lernstörungen Tag für Tag im Unterricht zu kämpfen haben?

In diesem Artikel gebe ich Tipps, wie wir vermeiden können, dass sich unsere Kinder so überfordert fühlen. Wie können wir ihnen die Unterstützung geben, die sie brauchen und auf die sie meiner Meinung nach auch ein Recht haben?

Vor ein paar Tagen habe ich einen hochinteressanten Podcast gehört: Parenting with Adult ADD / ADHD. Er hat mich auf so viele gute Gedanken gebracht, dass ich dieses Thema hier auf meinem Blog unbedingt aufgreifen musste. Es ging darum, wie Lehrer Kinder mit ADS besser unterstützen können. Natürlich sind dies auch Tipps für Eltern, was sie an die Lehrer ihrer Kinder weitergeben können.

Wann zeigen Kinder (auch Kinder ohne ADS) kein negatives Verhalten?

Wenn Kinder sicher sind,

  • was von ihnen erwartet wird,

  • dass sie ihre Aufgabe erfolgreich meistern können

  • dass niemand sie verspotten wird

  • dass ihre Klassenkameraden und ihr Lehrer sie genauso schätzen wie andere

  • warum Hereinrufen einer Lösung die Gedankengänge der anderen Schüler stört

Werden Schüler dann den Unterricht stören? So gut wie nie, denn sie werden wahrscheinlich genauso konzentriert arbeiten wie die anderen. Störendes Verhalten tritt meist dann auf, wenn Kinder sich bedroht und unsicher fühlen. Wir sollten ihnen also jede Gelegenheit bieten, sich so sicher und voller Selbstvertrauen wie nur irgend möglich zu fühlen.

Wie kannst Du das als Lehrer nun praktisch umsetzen? Wie zeigst Du den Kindern, was von ihnen erwartet wird und wie erinnerst Du sie so an diese Erwartungen, dass sie sich nicht kritisiert fühlen?

 

 

Das Kind will Aufmerksamkeit

Immer wieder gibt es den Classenclown, der durch alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel auf sich aufmerksam machen will. Er will Deine Aufmerksamkeit und sei es negative – durch Tadel beispielsweise.

 

Was kannst Du tun, um solchen Kindern auf andere Weise die Aufmerksamkeit der gesamten Klasse zu schenken?

Biete dem angehenden Redner eine Bühne

  • er kann den Witz des Tages erzählen (natürlich nur mit Vorwarnung) oder
  • er bekommt eine besondere Aufgabe, die er dann vor den anderen präsentieren kann.

Je nachdem wie oft er die Bühne braucht und wie stark sein Hunger nach Lob ist. Vielleicht ist es eine gute Idee, diese Gelegenheit zu Beginn des Unterrichts  zu bieten. Dann können anschließend alle besser dem Unterricht folgen.

Impulsives Verhalten

Gerade Kinder mit ADS reagieren oft, bevor sie gründlich über ihr Verhalten nachgedacht haben. Sollten sie dadurch Fehler machen, ist es am besten, wenn Du ihnen die Möglichkeit bietest, ihr Verhalten zu korrigieren. Am besten ist es in einem solchen Fall, dass Du zuerst einmal ein Gespräch unter vier Augen mit dem Kind führst. Du erklärst ihm beispielsweise, warum es in bestimmten Situationen nicht einfach herausplatzen sollte:

  • wenn es darum geht, dass alle über eine Frage nachdenken sollen, ist es schlecht, wenn das Kind seine Lösung gleich verrät – es nimmt damit den anderen Kindern die Gelegenheit, selbstständig auf die Lösung zu kommen. Durch Melden zeigt es Dir als Lehrer deutlich, dass es glaubt, die Lösung zu kennen. Wenn Du in solchen Situationen häufig durch Augenkontakt zeigst, dass Du diese Meldung gesehen hast, ist das oft genug.

  • Wenn das Kind durch sein Verhalten andere lächerlich macht, indem es beispielsweise laut lacht oder irgendwelche negativen Kommentare abgibt, sollte es sich vor Augen führen, wie es sich selbst in so einer Situation fühlen würde. Am besten ist es dann, wenn es sich für sein Verhalten entschuldigt.

Wenn Du einem Kind diese Dinge in aller Ruhe erklärst, reicht es im Unterricht meist aus, wenn Du es kurz durch taktvolle Worte darauf aufmerksam machst, dass es hier ohne nachzudenken gehandelt hat. Biete ihm dann die Gelegenheit, sein Verhalten wieder gut zu machen. So entschärfst Du die Situation. So kannst Du das Kind auch gut daran gewöhnen zuerst einmal nachzudenken, bevor es reagiert.

Wie kannst Du Fragen gleich so formulieren, dass die Kinder daran erinnert werden, nicht mit der Lösung herauszuplatzen?

Durch folgende Zusätze kannst Du Kinder daran erinnern, nicht frühzeitig zu antworten:

  • „Diese Frage ist wichtig. Ich möchte, dass Ihr zuerst einmal gründlich über die Lösung nachdenkt und Euch dann erst meldet… „ oder

  • „Wenn Ihr glaubt, die Lösung gefunden zu haben, sprecht mit Eurem Partner darüber und kontrolliert, ob Eure Lösung richtig ist.“

 Hyperaktivität

Im Schulunterricht sind Kinder viel zu wenig körperlich aktiv, dabei unterstützt Bewegung unser Gehirn oft beim Lernen! Nicht nur Kinder mit ADHS können sich viele Dinge besser merken, wenn sie sich dabei bewegen.

 

  • Früher mussten / durften Kinder beispielsweise aufstehen, um eine Antwort in der Klasse zu geben. Was war so schlecht daran? Wenn Kinder stehen, sind sie aktiv und können sich viel besser konzentrieren als passiv zusammengesunken in ihrem Stuhl.

  • Vokabeln lassen sich oft besser merken, wenn sich die Kinder im Rhythmus der Worte bewegen. Sie prägen sich dann viel besser ein.

  • Vielleicht könnten Kinder durch Bewegung in verschiedene Ecken der Klasse ihre Einschätzung zu einer Frage deutlich machen…

Es gibt viele Möglichkeiten, ein wenig körperliche Aktivität in den Schulunterricht zu bringen, wir müssen nur danach suchen.

Der persönliche Werkzeugkasten

Wenn wir unseren Schülern klar machen, dass jeder von ihnen für den Unterricht seinen ganz persönlichen Werkzeugkasten benötigt, damit er die von ihm geforderten Aufgaben auch erfüllen kann, behandeln wir alle gleich. Wir machen dadurch klar, dass jeder die notwendige Unterstützung bekommen kann, die er braucht:

  • ein Schüler, der Schwierigkeiten hat mit dem Lesen braucht Audio-Aufnahmen der zu lesenden Texte und Aufgaben. Diese können ihm die Lehrer oder die Mitschüler erstellen und sie könnten für alle Mitschüler verfügbar auf den Schulserver gestellt werden.

  • Schüler, die durch Geräusche leicht abgelenkt werden können, sollten bei Stillarbeit Kopfhörer tragen dürfen, die Nebengeräusche ausblenden.

  • Schüler, die Schwierigkeiten mit dem Schreiben haben, sollten Aufgaben durch eine Spracherkennungssoftware einsprechen können.

  • Schüler, die Schwierigkeiten haben, bestimmte Dinge zu verstehen, beispielsweise Schaubilder, sollten die notwendigen Erklärungen dazu bekommen.

Wenn Du beim Stellen einer Aufgabe fragst – „Habt Ihr alles, was Ihr für Euren Werkzeugkasten braucht?“ sollten Eure Schüler alle wissen, was damit gemeint ist. Es geht darum, dass sie jede notwendige Unterstützung haben, um die Aufgaben lösen zu können.

Worum geht es Dir in Deinem Unterricht?

Du willst nicht, dass der Notendurchschnitt der nächsten Arbeit unter 2,0 liegt, nein – Du willst, dass die Schüler am Ende des Schuljahres den Stoff verstanden haben und entsprechend anwenden können! Ob ein Schüler die Aufgabenstellung lesen kann oder nicht, ist doch eigentlich nicht so wichtig, oder? Natürlich ist das etwas, an dem dieser Schüler noch arbeiten muss. Wenn aber alle Lehrer ihn mit Aufgaben überhäufen, die ihn überfordern, wird dieser Schüler nur frustriert werden. Im späteren Berufsleben kann sich dieser Schüler ohnehin jede notwendige und verfügbare Unterstützung holen, wie beispielsweise eine App, die ihm Texte vorliest! Ein ganz persönlicher Werkzeugkasten, den sich Deine Schüler jetzt in ihrer Schulzeit zusammenstellen, wird ihnen später das Leben sehr erleichtern.

Furcht zu versagen

Wenn ein Kind sich fürchtet, bei einer Aufgabe zu versagen, steht es unter Hochspannung. Kinder, die Angst haben, können nicht so gut denken, denn wie funktioniert unser Körper bei Angst? Wir sind dafür gemacht, bei Angst wegzurennen, nicht über die Gefahr nachzugrübeln! Der Bär wartete nicht ab, bis der Steinzeitmensch über alle möglichen Auswege nachgedacht hatte – hier ging es darum, sofort loszusprinten!

Einen interessanten Artikel zum Thema Versagensängste finden Sie bei http://www.depressionen-depression.net/angst-phobie-panik/versagensaengste.shtml

Wenn ein Kind mit Leserechtschreibschwäche ein Buch sieht, kann es durchaus sein, dass dieses Buch ihm genau so große Angst macht wie der Bär, vor dem der Steinzeitmensch weggerannt ist. Manche Kinder reagieren auf solche Ängste dann aggressiv – ich verteidige mich gegen die Gefahr, manche machen sich unsichtbar – hoffentlich sieht er mich nicht.

Wenn Du dir das vor Augen führst, wirst Du sicher weniger gereizt auf störendes Verhalten von Schülern reagieren. Wahrscheinlich fühlen sie sich überfordert – finde dann heraus, wie du sie unterstützen kannst.

Wie kannst Du herausfinden, wie schwer Deinen Schülern die Aufgaben erscheinen?

Von Zeit zu Zeit solltest Du Deine Schüler einschätzen lassen, wie schwer ihnen geplante Aufgaben fallen:

  1. Du erklärst ihnen, welche Aufgabe sie heute lösen sollen.

  2. Lass sie einschätzen, wie schwer diese Aufgabe wohl ist
    (1 Finger: leicht, 5 Finger: sehr schwer)

  3. Lass sie dann einschätzen, wie gut sie fähig sind, diese Aufgabe zu lösen
    (1 Finger: sie glauben dass sehr gut zu schaffen, 5 Finger: sie glauben es nicht zu schaffen)

  4. Die Schüler, die in beiden Fällen hohe Zahlen angegeben haben, brauchen offensichtlich Deine Unterstützung. Frag sie, was sie brauchen.

Wie helfe ich Kindern mit ADS dabei, sich zu konzentrieren?

  • Körperliche Aktivität hilft auch den Träumern bei der Konzentration, denn sie verhindert dass Abdriften in ihre eigenen Gedanken. Alle unterstützenden Tätigkeiten, die zur Aufgabe passen, können hier hilfreich sein.

  • Partnerarbeit kann auch helfen – das Gespräch mit dem Partner erhöht die Aufmerksamkeit. Wir sollten das aber auch nicht übertreiben – schließlich gibt es auch noch andere Kinder, die mit einem hohen Geräuschpegel Probleme haben.

  • Vielleicht reicht es ja auch aus, nach Ende einer kurzen Stillarbeit das Ergebnis mit dem Partner zu besprechen. So fühlen sich unsichere Schüler sicherer, wenn sie später antworten sollen. Das gilt besonders, wenn wir klar machen, dass es in Ordnung ist, wenn der Schüler die Lösung des Partners verwendet. Schließlich geht es darum, die richtige Lösung zu finden. Wenn der Partner sie hat und der Schüler das erkannt hat, wäre das im späteren Leben ja auch richtig.

 

Die 7 Tipps auf einen Blick:

  • Wenn ein Kind Aufmerksamkeit will, biete ihm eine Bühne.

  • Halte nach Möglichkeiten Ausschau, Bewegung in Deinen Unterricht zu integrieren.

  • Halte Kinder vorbeugend vor impulsivem Verhalten ab.

  • Biete Kindern die Gelegenheit, vorschnelles Verhalten zu korrigieren.

  • Hilf jedem Kind, seinen eigenen Werkzeugkasten zusammenzustellen, mit dem es später sein Leben meistern kann.

  • Finde heraus, ob Deine Schüler sich das Lösen der Aufgaben zutrauen.

  • Unterstütze Schüler dabei, sich zu konzentrieren.

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