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Wer war Hahnemann?

In diesem Artikel möchte ich den Menschen Samuel Hahnemann ein wenig lebendig werden lassen. Mit welchen Schwierigkeiten hatte er zu kämpfen? Was zeichnete ihn aus?

Kindheit und Jugend

Samuel Hahnemann wurde als Sohn eines Porzellanmalers in Meißen am 10.04.1755 geboren. Er hatte 4 Geschwister, deshalb fiel es den Eltern schwer, ihm eine bessere Bildung zu ermöglichen, obwohl er sehr begabt war. Zuerst konnte Samuel zwar die lateinische Stadtschule besuchen (von 1767 – 1770, also vom 12. bis zum 15. Lebensjahr), dann konnte der Vater aber das Geld nicht mehr aufbringen. Zuerst sollte er eine kaufmännische Lehre beginnen, aber das war so gar nicht nach dem Geschmack des Jungen. Glücklicherweise bekam er in der Fürstenschule in Meissen einen Freiplatz, inklusive Kost und Wohnung – offensichtlich hatte er schon mit 15 Jahren Förderer gefunden. Wenn der junge Samuel seinem Vater aber brav gefolgt wäre, hätte die Welt auf die Entdeckung der Homöopathie wahrscheinlich verzichten müssen…

Studium

1775 ging er „mit 20 Talern in der Tasche“ nach Leipzig zur Hochschule, die er – wieder durch Fürsprache eines Gönners – kostenlos besuchen durfte. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich durch Stundengeben und Übersetzen medizinischer Werke. Diese Methode der Geldbeschaffung förderte sicher auch sein Wissen – noch heute empfehle ich zur Wiederholung von altem Schulstoff gerne das Geben von Nachhilfestunden. Wer anderen ein Thema erklärt, durchschaut es selbst noch besser. Das Übersetzen medizinischer Werke brachte ihn in Kontakt mit den neuesten Erkenntnissen der Wissenschaft.

Was lernte Hahnemann während seines Medizin-Studiums?

Das müssen wir verstehen, um zu begreifen, warum er später so gegen die damalige Medizin wetterte: die Studenten lernten vor allem das Einordnen einer Erkrankung anhand ihrer Symptome in ein Klassifikationssystem. Die praktische Behandlung beschränkte sich auf eine Armensprechstunde. Es gab Vorlesungen über „Mineralogie, Zoologie, Botanik, Chemie, Logik und Philosophie“ (Wischner). Der Medizinstudent sollte vor allem eines – gelehrt reden lernen, damit er in den höheren Kreisen verkehren konnte. Er wurde also auf die reichen Patienten vorbereitet, die ihm später Geld einbringen sollten.

1777 wechselte Hahnemann nach Wien, der „damals führenden medizinischen Hochschule“ (Tischner). Der Leibarzt von Quarin „nahm ihn als einzigen seiner Schüler auch zu seinen Privatkranken mit“ (Tischner). Leider fehlte Samuel bald wieder das Geld und er musste zurück nach Deutschland, wo das Leben wohl leichter zu finanzieren war. Er ging nach Erlangen und legte am 10.08.1779 die Doktorprüfung ab.

Die Schwierigkeiten des jungen Arztlebens

Samuel Hahnemann hatte zwar bereits 1779 sein Studium abgeschlossen, er zog dann mehrere Jahre von einem Ort zum anderen, suchte zu Beginn wohl auch eine passende Stelle, um eine Praxis aufzubauen. Auch nach der Heirat 1782 mit der Apothekerstochter Henriette Küchler wurde er nicht wirklich sesshaft.

Er interessierte sich für Physik, Chemie, Pharmazie, verfasst mehrere Schriften, in denen er bereits heftigst gegen die damalige Medizin wettert. Besonders „bekämpft er die Ansicht, als ob man mit der Ausleerungsbehandlung mittels Schwitzen, Abführens, Erbrechen oder Fontanellen die bösen Säfte ausführen könne, während die guten bleiben“ (Tischner). Er findet, dass es einem Patienten nach einer Behandlung auch besser gehen sollte und nimmt dazu den Allgemeinzustand als Maßstab.

Weiterhin übersetzte Hahnemann wissenschaftliche Werke, jetzt meist chemische und finanzierte so sich und seine wachsende Familie (alles in allem hatte er mit Henriette 11 Kinder, von denen aber nicht alle überlebten). Die Schwierigkeiten dieser Zeit macht ganz wunderbar das Hörspiel „Die Entdeckung der Homöopathie“ deutlich, das sie auf der verlinkten Seite bestellen können.

Der Chinarindenversuch – die Geburtsstunde der Homöopathie

Samuel Hahnemann übersetzte Cullens „Abhandlung über die Materia Medica“. Darin behauptete der Autor, dass Chinarinde deshalb gegen das Wechselfieber (Malaria) wirkt, weil es den Magen stärke. Hahnemann zweifelte an dieser Behauptung, da seiner Meinung nach auch andere Substanzen den Magen weitaus besser stärken könnten, allerdings nicht gegen das Fieber helfen würden. Kurzerhand probierte Hahnemann aus, welche Wirkung „vier Quentchen gute China“ hätten, indem er es selbst einnahm. Dann beobachtete er. Tischner zitiert diese Beobachtung:

„die Füße, die Fingerspitzen, usw. wurden mir erst kalt, ich ward matt und schläfrig, dann fing mir das Herz an zu klopfen, mein Puls ward hart und geschwind; eine unleidliche Ängstlichkeit, ein Zittern (aber ohne Schaudern), eine Abgeschlagenheit durch alle Glieder; dann ein Klopfen im Kopfe, Röte der Wangen, Durst, kurz alle mir sonst beim Wechselfieber gewöhnlichen Symptome erschienen nacheinander, doch ohne eigentlichen Fieberschauder“.

Mit anderen Worten: Hahnemann wollte die für ihn aus der Luft gegriffene Behauptung einfach überprüfen und entdeckte dabei einen weitaus interessanteren Zusammenhang: ein Arzneimittel, das beim Kranken Malaria heilen konnte, rief beim Gesunden die Symptome der Malaria hervor! Der Naturwissenschaftler war fasziniert, schrieb alles detailliert nieder und fragte sich dann: wenn das bei der Chinarinde und Malaria funktioniert – was können dann andere Substanzen heilen?

Die ersten Arzneimittelprüfungen

Samuel Hahnemann wollte also herausfinden, was andere Substanzen bewirken konnten und machte sich kurzerhand ans Experimentieren. Diese Episode ist wunderbar lebendig im oben genannten Hörbuch dargestellt.

Chinarinde

Von H. Zell – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Link

Wir müssen uns vorstellen: Der promovierte Arzt arbeitete nicht in seinem erlernten Beruf, da er dessen anerkannte Methoden ablehnte. Damit stand er damals nicht alleine, es war eine Zeit der Umbrüche und Revolutionen (siehe französische Revolution 1789). Allerdings war er besonders konsequent. Hahnemann versuchte also mit Hilfe von Übersetzungen seine Familie zu ernähren und plötzlich legte er diese Arbeit beiseite und beginnt alle möglichen Gifte einzunehmen und ihre Wirkung auf seinen Körper zu protokollieren! Ich wage gar nicht mir auszumalen, welche Ängste seine Frau in dieser Zeit ausgestanden hat. Aber ohne diesen Forscherdrang wäre die Homöopathie wohl niemals entwickelt worden.

Der Homöopath

Jetzt endlich konnte Samuel Hahnemann damit beginnen Patienten zu behandeln. Allerdings waren es damals eher die einfachen Leute, deren Behandlung ihm kaum Geld einbrachte. Wie er und vor allem seine Frau damals die Familie durchgebracht haben ist mir ein Rätsel. Der beginnende Homöopath entwickelte parallel seine neue Form der Therapie, machte Arzneimittelprüfungen, um Erkenntnisse über die Wirkungen weiterer Medikamente zu erhalten und behandelte arme Patienten. Schließlich war er so weit, er konnte mit seiner neuen Therapiemethode an die Öffentlichkeit treten:

Er brachte 1810 das „Organon der rationalen Heilkunde“ heraus. Dieses Grundlagenwerk der Homöopathie sollte noch 5 weitere überarbeitete Auflagen erleben, von denen die letzte erst lange nach seinem Tode erschien. Hahnemann war ein besessener Wissenschaftler, der seine Therapiemethode immer weiter entwickelte.

Der Stil und die Sprache des Organon

Er feindete die Ärzte seiner Zeit an und wurde selbst angefeindet. Im „Organon“ wütet er teilweise gegen die althergebrachten Theorien und Methoden, aber auch gegen eigene Anhänger, die von seiner Methode abwichen. Dieses wichtige Buch legte die Grundlagen für die Homöopathie. Durch seine alte Sprache (Hahnemann schrieb es zu Beginn des 19. Jahrhunderts) und die damalige Form der Argumentation weicht es deutlich von heutigen wissenschaftlichen und medizinischen Texten ab. Wenn wir die heute verwendete 6. Auflage des „Organons der Heilkunst“ lesen, sollten wir das bedenken.

Späte Liebe: Hahnemann und Melanie

Nach dem Tod seiner ersten Frau, Henriette, blühte bei dem mittlerweile fast achtzigjährigen Samuel noch einmal die Liebe auf. Melanie d’Hervilly, die seine Lehre verehrte suchte ihn 1834 aus gesundheitlichen Gründen in Köthen auf und die beiden verliebten sich ineinander. Schließlich folgte er ihr aus der deutschen Provinz ins lebenslustige Paris, wo er eine gut florierende Praxis eröffnete, die er wohl bis kurz vor seinem Tode, am 02.07.1843, führte.

War das alles?

Ich habe in diesem Artikel versucht, das Leben Samuel Hahnemanns ein wenig lebendig werden zu lassen. Dadurch fehlen sicherlich viele wichtige Ereignisse. Wer sich genauer mit seinem Leben beschäftigen möchte, den verweise ich gerne auf die Bücher, die ich unter den Quellenangaben aufgeführt habe.

Quellenangaben

R. Tischner: Das Werden der Homöopathie, Sonntag-Verlag, 2001

M. Wischner: Organon-Kommentar, KVC-Verlag, 2011

R. Handley: Eine homöopathische Liebesgeschichte, C.H.Beck-Verlag, 2006