Intoleranz und Homöopathie

Da ich im April einen Vortrag über das Thema Intoleranz und Homöopathie halten werde, habe ich in der letzten Zeit intensiv über dieses Thema nachgedacht. Was macht Intoleranz mit dem, der andere nicht akzeptieren kann und was macht das mit dem, der so abgelehnt wird? Mit solchen Fragen werde ich in einer homöopathischen Anamnese durchaus konfrontiert und auch mit den Problemen, die sich daraus ergeben.

Intoleranz ergibt sich aus der eigenen Geschichte

Andere abzulehnen ist menschlich – Bekannte geben uns Schutz, Fremde sind zuerst einmal potentiell bedrohlich. Wenn wir, besonders in unserer Kindheit, die Furcht vor bestimmten Menschen regelrecht eingebläut bekommen haben, fällt es uns schwer, diese Angst abzulegen. Wenn wir vor etwas Angst haben, versuchen wir uns zu verteidigen, meist mit Worten, so wie es heutzutage oft geschieht. Flüchtlinge werden als die unbestimmte Bedrohung angesehen, die den angenehmen Lebensstil in Deutschland gefährden. Entscheidend dabei ist meist: sie sind anders, unterscheiden sich von uns durch ihr Aussehen, Gebräuche, Religion und vieles mehr. Wo genau die Unterschiede liegen, ist oft gar nicht klar. Besonders problematisch wird es aber, wenn diese Unterschiede an Kindheitstraumen rühren, wenn sie zu alten Mustern passen.

Das können ganz unterschiedliche Muster sein: eine Frau, die in ihrer Kindheit die Angst vor dem bösen, schwarzen amerikanischen Soldaten eingetrichtert bekam, wird Schwierigkeiten haben, bei ihrer Enkelin einen schwarzen Freund zu akzeptieren. Menschen, die Schuldgefühle haben, weil sie in ihrer Kindheit und Jugend andere ausgegrenzt haben, wollen oft nicht akzeptieren, dass dieses Verhalten falsch war und werden es oft fortsetzen. Oft verbinden diese Menschen damit das Gefühl, dass sie selbst Helden sind, die moralisch richtige Ansichten verteidigen. Die Gegner der Intoleranz hingegen sehen sich selbst als die Hüter der Moral. Abstrakte Diskussionen werden hier nicht weiterführen, nur die Konfrontation mit der Menschlichkeit des Abgelehnten.

Was hat die Homöopathie damit zu tun?

Eine homöopathische Anamnese ist die Konfrontation mit den eigenen Überzeugungen, Vorstellungen und der eigenen Geschichte und manchmal auch eine Konfrontation damit, was diese mit der eigenen Krankheit zu tun haben. Denn Konflikte, vor allem innere, machen etwas mit uns – sie setzen uns permanent Stress aus, mit dem unser Körper und unser Geist klarkommen müssen. Dauerhafter Stress verändert Regelkreise in unserem Körper, die eigentlich in Harmonie sein sollten. Wenn sie ständig durch solche Konflikte belastet sind, kommt es langfristig zu Veränderungen in unseren Körperfunktionen und schlimmstenfalls zu Organveränderungen. Wozu es kommt, ist oft abhängig von der Art, wie wir mit unseren Belastungen umgehen. Alles, was uns tief innen betrifft, ergreift uns mehr und hat das Potenzial unsere Gesundheit zu schädigen.

Deshalb erforschen Homöopathen in der Anamnese so gründlich die Psyche des Patienten. Wenn wir die hauptsächliche Belastung, die auf ihn einwirkt, ergründen können, ist es einerseits vielleicht möglich, diese Belastung zu reduzieren. Andererseits können wir dann besser ein homöopathisches Arzneimittel wählen. Denn verschiedene homöopathische Arzneien können Erkrankungen, die durch bestimmte Belastungen entstehen, besser unterstützen. Das beginnt bei Arnika, das ja bekannterweise bei stumpfen Verletzungen helfen kann. Andere typische Zusammenhänge sind Natrium muriaticum, das oft bei tiefsitzendem Kummer helfen kann. Alte Menschen haben oft das Gefühl, dass sie gar nichts mehr können, das alle anderen sich über sie lustig machen. Wenn dieses Gefühl ihre Beschwerden verstärkt, kann beispielsweise Barium carbonicum helfen. Natürlich sind das nicht die einzigen Arzneien, die in solchen Fällen angezeigt sein könnten, daher handelt es sich hier nicht um Empfehlungen zur Behandlung!

Persönliche Auseinandersetzung mit dem Feindbild

Wenn wir Intoleranz als Angst vor einer Bedrohung begreifen, dann kann nur die Auflösung dieser Bedrohung das Ziel sein. Aber nicht durch Hinauswerfen der Flüchtlinge und anderer Fremden, sondern durch Bekanntmachen mit der Menschlichkeit des Gegenübers. Wer den anderen kennt, hat größere Hemmungen ihn zu bekämpfen. Besuche von Konzentrationslagern für Schulklassen halte ich daher nicht für den richtigen Ansatz, sondern nur Aktionen die zur kontrollierten Interaktion und möglichst auch Zusammenarbeit mit dem „Feind“ führen. Deshalb sind solche Projekte wie das West-Eastern Divan Orchestra so erfolgreich – davon braucht es mehr! Menschen, die während der großen Flüchtlingswelle in den Aufnahmestellen geholfen haben, werden nur selten diese Menschen ablehnen, da sie ihre Not gesehen haben und ihre positive Reaktion auf die freundliche Aufnahme in unserem Land.

Wer also versucht, den Menschen im „Feind“ zu sehen, ist auf dem besten Wege, dieses Feindbild zu verlieren und ihn sich zum Freund zu machen. Das gilt auch für Menschen, die mit diesen Problemen in einer homöopathischen Behandlung kämpfen. Wenn es um abstrakte Feindbilder geht, ist die beste Therapie der Versuch, den Menschen zu sehen, seine Verletzlichkeit. Das kann oft durch sogenannte „Ich-Botschaften“ passieren: was macht dieses Verhalten mit mir, wie schädigt es mich konkret? So wird eine persönliche Beziehung aufgebaut und der erste Schritt auf dem Weg aus der Intoleranz ist getan.

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