die Erstanamnese

die Grundlage einer homöopathischen Behandlung

Um ein passendes homöopathisches Mittel für Sie zu finden, muss ich Sie zuerst einmal kennenlernen. Dazu dient die sogenannte Erstanamnese. Wie läuft ein solches Gespräch ab und worauf müssen Sie sich einstellen?

Nehmen wir einmal an, Sie leiden seit einer Grippe im letzten Herbst unter starker Müdigkeit. Sie waren bereits beim Arzt, aber leider konnte er Ihnen nicht dauerhaft helfen. Eine Bekannte hat Ihnen empfohlen, es „doch mal mit klassischer Homöopathie zu versuchen“ und so sind Sie an meine Adresse gelangt. Sie haben bei mir angerufen und einen Termin vereinbart.

Dabei haben Sie erfahren, dass diese sogenannte „Erstanamnese“ etwa zwei Stunden dauern wird. „Warum denn so lange?“ denken Sie sich wahrscheinlich. Außerdem sollen Sie ziemlich viele Sachen zur Erstanamnese mitbringen: Sie können ja durchaus verstehen, dass ich wissen will, welche Medikamente Sie noch einnehmen, aber weshalb will ich wohl wissen, welche Krankheiten Ihre Eltern hatten? Ich soll doch nur Sie behandeln! Und die wesentlichen Ereignisse in Ihrem Leben sollen Sie notieren – so langsam fangen Sie an zu verstehen, warum der Termin zwei Stunden lang dauern soll…

Aber Ihre Bekannte hatte ja gesagt, dass Sie bei einer homöopathischen Behandlung viele seltsame Fragen zu erwarten haben. Daher warten Sie gespannt den Termin der Erstanamnese ab. Als Sie klingeln, öffne ich Ihnen die Tür und bitte Sie gleich in den Praxisraum und wir beginnen mit der Erstanamnese.

die Erstanamnese

Ich frage Sie zuerst einmal, weshalb Sie zu mir kommen und Sie berichten mir von Ihrer Müdigkeit und was Ihnen so dazu einfällt. Sie sehen, dass ich viel mitschreibe und Ihnen aufmerksam zuhöre. Als Ihnen nichts mehr einfällt, beginne ich nachzufragen – wie sich Ihre Müdigkeit anfühlt, wann Sie besonders müde sind und welche Auswirkungen die Müdigkeit noch auf Sie hat: wie benehmen Sie sich dann, was ist anders seit Sie sich so fühlen? Wie das alles angefangen hat und was vorher war

Sie berichten mir von der Grippe und versuchen sich daran zu erinnern, wie Sie sich damals gefühlt haben. Nun folgt eine körperliche Untersuchung, was Sie bei Müdigkeit nicht erwartet haben. Ich freue mich auch darüber, dass Sie mir ein Blutbild mitgebracht haben, das Ihr Hausarzt hat machen lassen als er nach der Ursache für Ihre Müdigkeit suchte.

Nachdem Sie sich wieder angezogen haben, fange ich an, ganz andere Fragen zu stellen, die anscheinend gar nichts mir Ihrer Müdigkeit zu tun haben. Ich will wissen, was Sie gerne essen und was gar nicht gerne, in welcher Position Sie schlafen, ob es Ihnen schnell warm oder kalt ist und noch vieles mehr. Dabei fallen Ihnen noch so einige andere Beschwerden ein, an die Sie vorher gar nicht gedacht hatten, weil Sie ja eigentlich wegen der Müdigkeit gekommen sind. Aber ich versichere Ihnen, dass es für mich wichtig ist, auch diese Dinge zu erfahren, denn ein homöopathisches Mittel muss für den ganzen Menschen und nicht nur für die Müdigkeit passen.

Schließlich beginne ich damit, Ihnen recht persönliche Fragen zu stellen – was Sie wütend oder traurig macht, wie Sie dann reagieren und noch vieles andere. Das alles muss ich wissen, um zu verstehen, welche Art von Mensch Sie sind, damit ich das passende Mittel finden kann. Während des Gesprächs gehen wir auch Ihre Lebensgeschichte durch, die Sie notiert haben und ich versuche herauszufinden, wann welche Probleme begonnen haben, um eine Vorstellung vom zeitlichen Ablauf Ihrer Erkrankung zu bekommen. Es ist für mich auch wichtig, dass Ihr Vater beispielsweise in seiner Jugend mehrmals eine Lungenentzündung hatte und dass Ihr Großvater an Tuberkulose litt.

Abschluss der Erstanamnese

Am Ende der Anamnese erkläre ich Ihnen noch kurz, wie die eigentliche Behandlung ablaufen wird und dass ich Ihnen jetzt leider noch nicht sofort ein Rezept mitgeben werde. „Sie erhalten das Rezept dann in den nächsten Tagen.“ Sie denken daran, wieviel Sie gerade erzählt haben und wundern sich nicht mehr darüber, dass es ein wenig Zeit braucht, bis ich mich entschieden habe, welches Mittel ich Ihnen gebe. Während der Anamnese habe ich Ihnen nämlich erklärt, dass es sehr viele homöopathische Mittel gibt, die bei Müdigkeit helfen könnten, dass ich aber das Mittel finden muss, das gerade für Sie passt. Ich gebe Ihnen noch einige Blätter mit, auf denen verschiedene Dinge stehen, die Sie während der Behandlung beachten müssen. Einige Tage später erhalten Sie mit der Post ein Rezept, auf dem das Mittel steht, sowie Anweisungen, wie Sie es einzunehmen haben. Sie besorgen sich das Mittel in der Apotheke und wundern sich, dass diese kleinen Kügelchen wirklich helfen sollen. Schließlich haben Sie schon oft genug gelesen, dass da eigentlich gar nichts mehr drin ist… So ähnlich könnte es ablaufen.

Verborgene Krankheitsursachen

Sie haben sich sicher bereits gefragt, warum Sie sich denn nach dieser blöden Grippe nicht wieder erholt haben. Der Arzt hat Ihre Blutwerte untersucht, aber leider die Krankheitsursachen nicht gefunden.

Erklärungsmodell aus der Homöopathie

Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie hat in seinem Buch „Organon der Heilkunst“ erklärt, dass es in uns Menschen ein Gleichgewicht gibt (in der Traditionellen Chinesischen Medizin ist es das Gleichgewicht zwischen Yin und Yang). Es gibt eine Kraft, die uns in diesem Gleichgewicht hält, die Lebenskraft (in der TCM wird es Qi genannt). Wenn uns nun etwas aus dem Gleichgewicht bringt, versucht die Lebenskraft, dieses Gleichgewicht wieder herzustellen. Sie verhalten sich plötzlich anders, man merkt, dass Sie „etwas ausbrüten“. Stellen Sie es sich wie ein Balancebrett vor, auf dem Ihre Lebenskraft balanciert.

Ihre Krankheitsgeschichte

Sie erinnern sich daran, dass Sie kurz vor der Grippe eine wichtige Prüfung absolvieren mussten. Sie hatten Angst sie nicht zu schaffen und das hatte Sie bereits ziemlich aus der Bahn geworfen. Ihre Lebenskraft war aus dem Gleichgewicht geraten und musste ihr Gewicht auf dem Balancebrett daher anders verteilen: Sie bekamen Kopfschmerzen und danach die Grippe. Wie genau sich diese Grippe äußerte sind die Krankheitssymptome – so erzählt uns die Lebenskraft, was ihr fehlt. Nur, wenn ich als Therapeut diese Krankheitssymptome kenne (und zwar so genau und ausführlich wie möglich), kann ich entscheiden, wie ich Ihnen helfen kann. Hahnemann nannte das die „Krankheits-Erkenntnis“.

Nach der Erstanamnese

Die Erstanamnese ist beendet, Sie sind nach Hause gegangen. Als Therapeutin habe ich jetzt die Aufgabe, das für Sie passende homöopathische Mittel zu finden. Dazu gibt es Hilfsmittel. Eines dieser Hilfsmittel ist ein sogenanntes „Repertorium„. Darin sind die homöopathischen Mittel und ihre bekannten Symptome verzeichnet.

Wie kann ich Ihre spezielle Krankheit beschreiben?

Ich versuche jetzt festzustellen, welche Symptome das sind, was Ihre spezielle Erkrankung auszeichnet. Sie leiden tagsüber unter Schläfrigkeit, die sich in schweren Augenlidern mit Kopfschmerzen äußert. Dazu suche ich jetzt entsprechende Rubriken im Repertorium, einem Buch von über 2000 Seiten. Wenn ich jetzt alle anderen Dinge, die Sie mir erzählt haben, bedenke, kann ich ein Mittel finden. Eine mögliche Verschreibung wäre Gelsemium.

Es ist aber unbedingt notwendig, den gesamten Fall zu betrachten, es handelt sich hierbei keinesfalls um eine Empfehlung zur Selbstbehandlung! Sie sehen, dass die Auswertung einer homöopathischen Erstanamnese ein wenig der Detektivarbeit gleicht. Es ist notwendig aus der großen Menge an Informationen die wichtigen Hinweise herauszupicken, die den Weg zum passenden Mittel weisen können. Wenn ich die Auswahl auf etwa 3 – 10 Mittel eingegrenzt habe, beginne ich mit dem detaillierten Nachlesen der Symptome in der sogenannten „Materia Medica„. Erst dann verordne ich Ihnen ein Mittel.

Das Balancebrett

Man kann das Ganze auch wieder mit dem Balancebrett vergleichen: Ich sehe von ferne, wie Sie auf einem Balancebrett balancieren, auf dem ein paar Gewichte (die Symptome) verteilt sind. Ich versuche aus dem was Sie mir erzählen herauszufinden, wo die Gewichte liegen, damit ich weiß, welchen Schubs ich Ihnen geben kann. Das ist nicht einfach – vor allem hängt es auch davon ab, wie gut Sie erspüren können, was anders ist.

Ich habe dazu auch ein Video gedreht, in dem ich dieses Modell erkläre. Schauen Sie es sich doch einmal an!

Wie finde ich das passende homöopathische Mittel?

Nehmen wir an, Sie waren bei mir in der Praxis, wir haben gemeinsam eine Erstanamnese gemacht und ich habe ein homöopathisches Mittel für Sie herausgesucht. Ich schicke Ihnen ein Rezept, auf dem beispielsweise die Verordnung Gelsemium C 30 steht. Sie besorgen sich das Mittel in der Apotheke und wundern sich: diese kleinen Kügelchen sollen mich wieder auf die Beine bringen? Vielleicht haben Sie auch noch Berichte aus der Presse im Hinterkopf, in denen stand, dass es so wäre, als würde man einen Tropfen in den Bodensee kippen…

Wie Sie aus meinen Angaben zur Person sehen können, habe ich früher einmal eine wissenschaftliche Ausbildung genossen (beim Mathematik-Studium war mein Nebenfach Physik). Ich war anfangs natürlich auch skeptisch. Wenn es sich nur um eine einfache Verdünnung handeln würde, wären diese Einwände ja durchaus berechtigt. Aber bei der sogenannten „Potenzierung“ wird auch noch verschüttelt. Offensichtlich werden dabei Informationen von unserem Ausgangsstoff (hier Gelsemium sempervirens, der falsche Jasmin) an den Trägerstoff weitergegeben. Wie das genau passiert und warum konnte bisher noch nicht erforscht werden. Stellen Sie sich ein Kügelchen so vor wie eine CD: auf beiden ist Information enthalten. Die CD enthält beispielsweise die Daten für ein Musikstück – erst wenn Sie die CD in den CD-Player einführen, können Sie das Stück hören. Die homöopathischen Kügelchen (Globuli) enthalten ebenfalls Informationen. Wenn Sie diese Kügelchen einnehmen, verspüren Sie eine Wirkung. An diesem Beispiel können Sie auch erkennen, dass es keineswegs sinnvoll ist, mehr Globuli einzunehmen als ich Ihnen empfehle – auch mehrere CDs gleichzeitig lassen Sie das Stück doch nicht besser hören!

das Balancebrett

Kommen wir wieder zu unserem Vergleich mit dem Balancebrett: Ihr Körper erhält durch das homöopathische Mittel noch einmal einen kleinen Schubs in die gleiche Richtung in der er bereits aus dem Gleichgewicht geraten war. Er hält dagegen und bewegt sich dadurch wieder ein Stück mehr zur Mitte hin. So sollte ein homöopathisches Mittel wirken. Weil die Lebenskraft die Balance selber wieder findet, braucht sie hoffentlich mit der Zeit immer weniger Gegengewichte – sie können verschwinden, solange sie noch nicht fest mit dem Brett verwachsen sind (solange es noch keine irreversiblen körperlichen Veränderungen gegeben hat).

Newsletter

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Kennenlerngespräch

Gerade eine homöopathische Behandlung braucht Vertrauen. In einem etwa 15minütigen Gespräch können Sie sehen, ob Sie mir dieses Vertrauen schenken möchten.

Außerdem können Sie mit mir besprechen, welche anderen Therapieformen für Sie noch in Frage kommen würden.

Über mich

Claudia Kühl

Heilpraktikerin

Schwerpunkt: klassische Homöopathie


Im Mörsch 4, 55294 Bodenheim
und
Schlossgasse 5a, 67547 Worms
Kontakt:
06135/ 95 17 07

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