Homöopathen sprechen oft davon, dass bei einem Patienten eine Unterdrückung vorliegt. Was soll das heißen? Ist der Patient besonders unterwürfig???

Nein. Damit hat das gar nichts zu tun. Es geht um Maßnahmen, die der Patient oder sein Therapeut getroffen hat, die seine Beschwerden zwar anscheinend zum Verschwinden gebracht haben, dafür sind aber andere, schlimmere Symptome aufgetaucht. Diesen Vorgang nennen wir Unterdrückung.

Welche Maßnahmen können zu einer Unterdrückung führen?

Das ist ganz unterschiedlich, wie immer in der Homöopathie ist es individuell verschieden. Der eine Patient bekommt nach einer Art von Behandlung überhaupt keine Probleme, der andere ist seit der selben Behandlung schwer krank. Unterdrückend können beispielsweise wirken:

  • Salben und Cremes, besonders zink- oder cortisonhaltige Cremes
  • Verhütungsmittel
  • ein Umfeld, in dem der Patient sich beispielsweise dazu zwingt, seine Gefühle nicht zu zeigen
    Fensterfront in Venedig

    viele Fenster, viele Möglichkeiten

  • Arzneimittel und Phytotherapeutische Präparate, wenn sie „gegen“ ein einzelnes, bestimmtes Symptom eingesetzt werden
  • homöopathische Mittel in niedrigen Potenzen, besonders wenn sie vorschnell gegeben werden

Was bedeutet das jetzt in der Praxis?

In meiner Praxis gehe ich mit meinen Patienten immer detailliert die Krankengeschichte durch. Dabei ist es schon mehrfach vorgekommen, dass wir dabei feststellten, dass seit dem Beginn des Einsatzes von Verhütungsmitteln bestimmte Beschwerden (z.B. Migräne) langsam aber sicher immer schlimmer geworden sind, bzw. teilweise erst seitdem aufgetreten sind.

Das heißt jetzt nicht, dass ich grundsätzlich vom Einsatz von Verhütungsmitteln abrate! Ich habe nur bemerkt, dass es Frauen gibt, die anscheinend ihre Anwendung nicht vertragen. Andererseits gibt es auch eine ganze Menge Frauen in meiner Praxis, die damit überhaupt keine Schwierigkeiten haben. Wichtig ist, dass jede Frau für sich entscheiden muss, ob die Vor- die Nachteile überwiegen.

Soll ich jetzt gar keine Salben und Cremes mehr verwenden?

Meinen Patienten empfehle ich, dass sie nur so viel Salben und Cremes einsetzen, wie notwendig. Meist geht es hier um Hauterkrankungen, wie Neurodermitis. Manchmal ist es bei diesen Erkrankungen unumgänglich, beispielsweise Cortison auf besonders entzündete Hautpartien zu schmieren. Das ist auch durchaus in Ordnung. Wichtig ist aber, sich nicht allein darauf zu verlassen und noch mehr für die langfristige Gesundheit zu tun. Ich empfehle in diesem Falle normalerweise eine Ernährungsumstellung und eine homöopathische Behandlung.

Von zinkhaltigen Cremes rate ich eher ab. Es gibt einige Fälle in der homöopathischen Literatur, bei denen es zu heftigen Unterdrückungen, wie z.B. Asthma gekommen ist. Lesen Sie also die Inhaltsstoffangaben genau durch!

Ich dachte, homöopathische Mittel haben keine Nebenwirkungen?

Im engen Sinne haben homöopathische Mittel keine Nebenwirkungen, sondern nur Wirkungen. In meiner Praxis stehen viele dicke Bücher, die alle beschreiben, welche möglichen Wirkungen homöopathische Mittel haben können. Allerdings haben gerade die niedrigen Potenzen (D6 und D12) oft viel mehr Wirkungen als von den Anwendern beabsichtigt. Das könnte man dann als „Nebenwirkung“ bezeichnen.

Besonders wenn einfach nur auf „hohes Fieber mit kalten Füßen – Belladonna“ verschrieben wird, d.h. wenn die Mittelfindung grob vereinfacht und auf ein oder zwei Symptome reduziert wird, besteht die Gefahr einer Unterdrückung. Dann wurde nämlich nicht der ganze Patient berücksichtigt, sondern nur dieses eine Symptom.

Und wie kann ich erkennen, ob eine Behandlungsmethode unterdrücken wird?

Leider können Sie das vorher gar nicht erkennen. Wenn Sie aber versuchen, die oben angegebenen Methoden zu meiden, tun Sie eine ganze Menge. Sollten aber irgendwelche neuen Beschwerden auftreten, die Sie vorher nicht kannten, seien Sie aufmerksam und denken Sie auch an die Möglichkeit einer Unterdrückung!

 

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