Demenztest

Meine Mutter oder mein Vater wird langsam vergesslich – ist das normal in diesem Alter oder ist das schon Demenz? Hier kann ein Demenztest hilfreich sein.

Die Eltern sind in unserem Leben immer diejenigen gewesen, die uns geholfen haben. Sie waren in Kindheit und Jugend diejenigen, an die wir uns gewandt haben, wenn etwas nicht so klappte, wie wir das wollten. Wenn die Eltern ins Rentenalter kommen, genießen sie oft die größere Freiheit, die diese Zeit bietet – sie sind nicht mehr an die Urlaubsplanung des Berufslebens gebunden und können ihre Freizeit so genießen wie sie wollen. Das ist die Zeit der aktiven Rentner, die nie Zeit haben. Irgendwann geht das aber nicht mehr so gut, die Eltern schränken ihre Aktivitäten ein und wir bemerken: so langsam werden sie alt.

Dass Computer und Smartphone nicht ihr Ding sind, das wussten wir schon lange. Das Bedienen neuer Geräte können sie jetzt immer schwerer erlernen und irgendwann müssen wir ganz ehrlich sagen: nein, das ist zu schwierig für meine Mutter, sie braucht etwas einfacheres. Diese Dinge haben wir schon lange akzeptiert. Aber: wenn meine Mutter ab und zu vergisst, ihre Medikamente zu nehmen: heisst das, dass sie langsam dement wird oder ist das normal? Wenn sie sich nicht mehr traut, in die Stadt zu fahren, weil sie sich dort nicht mehr wirklich auskennt – muss ich mir da Sorgen machen? Wenn meine Mutter den Namen ihrer besten Freundin aus ihrer Kindheit nicht mehr kennt – liegt das daran, dass es schon so lange her ist oder lässt ihr Namensgedächtnis nach?

Ich habe im folgenden Text ein paar Kriterien zusammengestellt, die mich in der Praxis interessieren, wenn ich überprüfen möchte, ob eine Patientin so langsam dement wird. Hierbei sind die Überprüfung verschiedener Orientierungspunkte (Zeit und Ort), sowie das Kurzzeitgedächtnis und verschiedene intellektuelle Fähigkeiten, die wir im Alltag benötigen, wichtig.

1. räumliche Orientierung

Ein Arzt würde typischerweise fragen: wo sind wir hier? (im Krankenhaus) In welcher Stadt? (in Mainz u.ä.)

Hier können wir auch fragen: Wo wohnen Sie? (Adresse) Wo gehen Sie einkaufen? Wo wohnt Ihre Tochter? Usw. Bei diesen Fragen geht es darum herauszufinden, ob sich diese Person noch orientieren kann. Diese Fähigkeiten sind beim selbstständigen Bewegen im Verkehr bereits als Fußgänger wichtig, geschweige denn als Autofahrer!

2. Zeitliche Orientierung

Sinnvollerweise fragen wir dann: wieviel Uhr ist es? Welche Tageszeit haben wir? Haben Sie schon zu Mittag gegessen? Wie lange dauert es, Nudeln zu kochen oder mit dem Auto in die Stadt zu fahren oder ähnliche Dinge, die der Person bekannt sein müssten.

 Hier geht es darum, ob die Person noch den Tagesablauf kennt, die Uhrzeit in Relation zum Tagesablauf setzen kann, Dauern von Vorgängen einschätzen kann.

Danach ist es sinnvoll, zu überprüfen, ob das Lesen der Uhr noch funktioniert. Bitten Sie die Person, eine Uhr zu zeichnen. Die Zeiger sollen beispielsweise 7:20 Uhr anzeigen (kann durchaus auch eine andere Zeit sein).

Schauen Sie sich an, wie gut diese Uhr gezeichnet wurde. Wie sieht es mit der Verteilung der Striche aus? Ist die Uhrzeit einigermaßen korrekt eingezeichnet?

Die zeitliche Orientierung ist für unseren Alltag enorm wichtig. Von ihr hängt die Verlässlichkeit des Einhaltens von Terminen ab. Wir nehmen Medikamente zu bestimmten Uhrzeiten, essen Mahlzeiten abhängig von der Tageszeit, kurzum unser Tagesablauf richtet sich normalerweise nach der Uhrzeit. Die Fähigkeit den Alltag allein zu meistern lässt drastisch nach, wenn jemand das nicht mehr kann.

3. Kurzzeitgedächtnis

Jetzt geht es um die Überprüfung der Merkfähigkeit von 10 einfachen Begriffen. Erklären Sie bitte die Aufgabe folgendermaßen:

„Ich nenne Ihnen / Dir jetzt 10 Begriffen. Anschließend sollen Sie / sollst Du diese wiederholen. Die Reihenfolge ist egal. Es geht nur darum, wieviele im Gedächtnis geblieben sind.“

Apfel, Baum, Bett, Leiter, Katze, Löffel, Auto, Blume, Haus, Sofa

Jetzt bitten Sie um ein Aufzählen möglichst vieler der Begriffe. Notieren Sie die Anzahl der gemerkten Wörter.

Anschließend wiederholen Sie die 10 Begriffe noch einmal.Auch jetzt sollen die beim zweiten Durchgang gemerkten Worte gezählt werden.

Ab 60 Jahre sollte ein Mann/ Frau fähig sein, sich insgesamt 10 Worte (aus 2 Durchgängen) zu merken, d.h. Durchschnittlich die Hälfte der Worte. Besorgniserregend wäre es, wenn nur 6 Worte (also nur drei pro Durchgang) behalten wurden.

Um die längere Merkfähigkeit zu kontrollieren, werden diese Worte am Ende der Tests noch einmal abgefragt. Das dauert aber noch ein wenig.

4. intellektuelle Fähigkeiten

Zahlen schreiben

Hierbei geht es um Dinge, die beispielsweise für das Ausfüllen von Überweisungen notwendig sind. Wir müssen dann Zahlen in Worte umwandeln können und umgekehrt. Hier geht es also um das einfache Überprüfen der finanziellen Fähigkeiten.

„Hier sind zwei Zahlen, bitte schreiben Sie/ schreibe diese wie auf einem Überweisungsträger in Worten aus.“

408

3167

„Jetzt schreibe / schreiben Sie die folgenden beiden Zahlworte in Ziffern“

siebenhundertvierundneunzig

zwitausendneunhundertdreiundachtzig

Für das finanzielle Alltagstätigkeiten würde ich noch überprüfen, ob die Person beispielsweise noch mit Kleingeld umgehen kann – kann sie zum Beispiel noch auf 3,65 Euro herausgeben?

Kann er / sie noch einschätzen, wieviel ein Liter Milch beispielsweise kostet (oder etwas vergleichbares)?

Einkaufen

Hier geht es darum herauszufinden, ob die Person noch fähig ist, sich vorzustellen, was sie alles einkaufen könnte.

Bitte nenne / nennen Sie möglichst viele Gegenstände, die es im Supermarkt zu kaufen gibt!

Bitte zählen Sie die genannten Begriffe. Toll sind 15 verschiedene Dinge (darauf achten, dass nicht mehrmals der gleiche Begriff gezählt wird). 5 oder weniger sind wirklich schlecht bei einer Person von etwa 60 Jahren.

Zahlen umdrehen

Jetzt geht es um das Umdrehen von Zahlen im Kopf. Die zweite Zahl mit der gleichen Länge wird nur benötigt, wenn die erste Zahl nicht erfolgreich umgedreht wurde.

Ich werde jetzt mehrere Ziffern hintereinander nennen und Sie wiederholen diese bitte in umgekehrter Reihenfolge. Beispiel: aus 5 – 7 – 2 wird dann 2 – 7 – 5.“

6 – 2

2. Versuch: (3 -9)

4 -7 -1

2. Versuch: (5 -3 -4)

8 – 2 – 9 -8

2. Versuch: (4 -3- 7- 5)

1 – 6 – 9 – 4 – 9

2. Versuch: (8 – 3 – 5 – 2 – 1)

Dies ist eine relativ schwierige Aufgabe, die eine ganze Menge erfordert. Vesuchen Sie es ruhig selbst einmal, eine fünfstellige Zahl im Kopf umzudrehen! Wenn zweistellige Zahlen nicht mehr gehen, ist es besorgniserregend, im Allgemeinen sollten drei bis vierstellige Zahlen mit 60 Jahren noch möglich sein.

4. erneute Kontrolle der Merkfähigkeit

Jetzt geht es darum, zu überprüfen, wieviele der Begriffe aus dem Kurzzeitgedächtnis noch immer haften geblieben sind. Natürlich ist das jetzt schon eine ganze Weile her.

An welche Begriffen von vorhin erinnern Sie sich noch? Bitte nennen Sie diese!

Notieren Sie die erinnerten Begriffe und zählen Sie sie. Normal wäre es, wenn noch etwa 3 Begriffe im Gedächtnis geblieben wären.

5. Auswertung

Ich habe diesen Test nach dem DemTect – Test modelliert und habe noch diverse Erklärungen angefügt. Einen Auswertungsbogen für das übliche Testverfahren finden Sie bei Beltz.de Meine Erläuterungen sollen Ihnen helfen, die Ergebnisse zu verstehen. Außerdem finde ich, die Ergebnisse sollten einzeln beurteilt werden, denn ein Gesamt-Punkteergebnis kann darüber hinwegtäuschen, dass es in einzelnen Bereichen große Defizite gibt. Wichtig ist die Kontrolle nach einer gewissen Zeit – bei unklaren Ergebnissen nach etwa 6 Monaten, sonst eventuell jährlich.

Entscheidend für die Beeinträchtigung des Alltags bei Demenz ist, ob die Alltagsfähigkeiten noch verwendet werden. Wer alles abgenommen bekommt, kann diese Dinge auch nicht mehr ausführen. Wichtig ist die Teilnahme am Alltag, dass dieser sich nicht nur auf Fernsehen beschränkt. Unser Gehirn ist in diesem Fall vergleichbar mit einem Muskel – wenn es nicht mehr benutzt wird, dann verkümmert es.

Hier kann das Zusammensein mit Kindern Wunder wirken – mit den Kleinen lernt die Oma oder der Opa gerne ein neues Gesellschaftsspiel und ist auch nicht böse, wenn die Enkel korrigieren „Nein Oma, das dafst Du nicht! Du must erst das machen!“ Auch wenn das Gedächtnis nachlässt, kann die Oma oder der Opa noch viel Freude im Leben haben.

Ich habe noch einen weiteren Artikel zum Thema „ältere Menschen“ verfasst, den Sie hier auf meiner Homepage finden können.

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